Die Ecke des Präsidenten

Liebe Kameraden,

„Die Warnzeichen sind zu ernst“ mahnte unlängst die Aussenministerin der USA, Hillary Clinton, im Hinblick auf mögliche Terroranschläge mit Biowaffen. Entsprechende „…Fortschritte in Wissenschaft und Technik könnten es auch Terroristen relativ leicht machen, solche Waffen zu entwickeln…“ (siehe dazu den Artikel „USA warnen vor Biowaffen-Anschlägen“ in dieser Ausgabe des ABC Bulletins).
Aktueller Hintergrund dazu ist u.a. die Tatsache, dass Forscher aus Rotterdam unlängst das H5N1-Virus (besser bekannt unter dem Namen „Vogelgrippe-Virus“) durch Experimente mit Frettchen so hochgezüchtet haben, dass es potenziell durch Mensch-Mensch-Kontakte übertragen werden könnte. Bei einer Letalitätsrate von rund 60% wäre das Virus so in der Lage, eine tödliche Pandemie auszulösen. Die Viren befinden sich derzeit in Hochsicherheitslabors (Stufe 4) unter Verschluss. Für Debatten sorgt nun allerdings die Frage, ob die Forschungsergebnisse veröffentlicht werden sollen.
So hat das US-Gremium für Biosicherheit dafür plädiert, die Ergebnisse nicht zu veröffentlichen - zum ersten Mal in der Geschichte. Grund ist die akute Gefahr des Missbrauchs der Forschungen, beispielsweise für Bio-Terrorismus. Dagegen hat die World Health Organisation (WHO) nun Einspruch eingelegt. Es sei durchaus von Nutzen, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Allerdings soll das erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen. Man müsse vorerst die Öffentlichkeit vom Nutzen der Forschung überzeugen, meint die WHO. Erst dann sollen die Resultate des Experiments mit dem H5N1-Virus veröffentlicht werden (http://www.who.int/en/).
Generell steht die Staatengemeinschaft hier also vor heiklen, aber wichtigen Fragestellungen: Inwieweit soll und kann Forschung begrenzt werden? Wer entscheidet, was geforscht werden darf und was nicht? Wer kann oder darf in Zukunft noch auf „heiklen“ Themen arbeiten? Wer soll auf welche Resultate (alle Resultate oder „zensurierte“) wann zugreifen können? Wo und unter welcher Aufsicht sollen derartige Pathogene gelagert werden?
Es ist höchste Zeit, dass sich die UNO und auch die einzelnen Nationen diesen Fragen intensiv stellen. Ein „Veröffentlichungs-Moratorium“ für heikle Daten, freiwillig oder unter Druck, mag eine kurze Verschnaufpause gewähren, eine vernünftige Lösung ist das auf Dauer aber nicht.
Vielleicht wird diese Diskussion ja auch den Druck auf das Biowaffen-Abkommen erhöhen, einen Kontrollmechanismus zur Überprüfung von Forschungseinrichtungen einzubauen, dessen Fehlen das Abkommen bis jetzt zu einem relativ „zahnlosen Tiger“ macht.

Und nicht vergessen: Das 3. Symposium der ABC Suisse 2012 findet am 23.-24.11.2012 im ABC Zentrum statt und wird unter dem Motto „Albtraum Dekontamination“ stehen. Also vorreservieren!


Oberstlt Marc Kenzelmann


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